(2020)

Triggerwarnung: Depression / Suizid

Wir schreiben das Jahr 1991. Ich bin tot unglücklich, weil meine Freundin sich von mir getrennt hat. Was soll man sagen: Das erste Mal tuts noch weh. Sehr weh.

Ein alter musikalischer Wegbegleiter hat grade eine neue Scheibe rausgehauen, sie heißt: Hey Stoopid. Das passt ja, ich bin allein und fühle mich wie ein Idiot. Warum nur… ach, jung war ich und verzweifelt. Ich lauschte immer wieder einem Song: I might aswell be on Mars. In dem Song geht es um einen Verlassenen, so wie mich. Dieser steht auf dem Dach eines Hauses und beobachtet seine Ex in einer Bar gegenüber. Süße Schwermut.

Eine Textzeile trieb mir immer wieder die Tränen in die Augen:

Maybe I could fly, if i could I´d come down to ya´, maybe I should try…

Die Leiden des jungen Werthers, waren gegen die Leiden des jungen Andy ein Scheißdreck.

Aber The Coop gab mir damals die Möglichkeit diese Gedanken zu kanalisieren, als eine Form von Katharsis auszuleben, ohne eben „Dummheiten“ zu machen. Was für ein Glück. Wie ernst es ihm damit ist, beweist er mit der vorliegenden Single „Don´t give up!“. Wie passend und

Nicht aufgeben!

Der Großmeister des Schockrocks gibt sich hier sehr Achtsam. Der Song ist in der Pandemie entstanden, als der psychische Druck auf die Menschen immer größer wurde, Vereinsamung und psychische Erkrankungen zunahmen. Cooper bezeichnet die Pandemie als „cold and indiscriminate Monster“, was sehr zutreffend erscheint. Die Isolation verstärkte die diffusen Ängste der Menschen noch um ein Vielfaches.

Cooper verfasste mit dem Song ein Manifest für Menschen am Rand der Verzweiflung, Einen Track der tiefgründig zum Durchhalten aufruft. Wem würde man es am ehesten abnehmen, als dem Mann der schon mehr als einmal am Abgrund seiner eigenen Existenz stand. Cooper hat alles gesehen, Freunde verloren und Einblicke ins Leben gewonnen, die anderen Menschen, zu Glück, verborgen bleiben.

Auch die Aufmachung der Picturesingle ist hervorragend gewählt, denn die Welt besteht nur aus Bildschirmen auf dem Cooper selbst und Menschen mit Durchhalteparolen zu sehen sind. Die Anspielung auf die Verbindung durch Videokonferenzen funktioniert sehr gut. Auf der Rückseite finden sich die Textzeilen, bei denen davor auszugehen ist, dass es sich um die Handschrift des Musikers handelt. Bei alle Distanz, schafft das Nähe.

So wird der Künstler und der Song zum echten Botschafter für eine wichtige Sache: Awareness!

Er endet den Song mit der Art lyrischen Signatur:

„This is Alice Cooper in Detroit
Let’s keep fighting, don′t give up!“

Das nehme ich dem Meister sofort ab, du gabst und gibst Hoffnung!


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