
Triggerwarnung: Suizid / Depression
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Wir schreiben das Jahr 1991. Ich bin tot unglücklich, weil meine Freundin sich von mir getrennt hat. Was soll man sagen: Beim ersten Mal tut´s noch weh. Sehr weh.
Ein alter musikalischer Wegbegleiter hat grade eine neue Scheibe rausgehauen, sie heißt: Hey Stoopid. Das passt ja, ich bin allein und fühle mich wie ein Idiot. Warum nur… ach, jung war ich und verzweifelt. Ich lauschte immer wieder einem Song: I might aswell be on Mars. In dem Song geht es um einen Verlassenen, so wie mich. Dieser steht auf dem Dach eines Hauses und beobachtet seine Ex in einer Bar gegenüber. Süße Schwermut.
Eine Textzeile trieb mir immer wieder die Tränen in die Augen:
Maybe I could fly, if i could I´d come down to ya´, maybe I should try…
Die Leiden des jungen Werthers waren gegen die Leiden des jungen Andys ein Scheißdreck.
Aber The Coop gab mir damals die Möglichkeit diese Gedanken zu kanalisieren, als eine Form der Katharsis auszuleben, ohne eben „Dummheiten“ zu machen. Was für ein Glück. Wie ernst es ihm damit ist, beweist er mit der vorliegenden Single „Don´t give up!“.
Nicht aufgeben!
Der Großmeister des Schockrocks gibt sich hier sehr achtsam. Der Song ist in der Pandemie entstanden, als der psychische Druck auf die Menschen immer größer wurde, Vereinsamung und psychische Erkrankungen zunahmen. Die Pandemie wird als „cold and indiscriminate Monster“ bezeichnet, was sehr zutreffend erscheint. Die Isolation verstärkte die diffusen Ängste der Menschen noch um ein Vielfaches.

Cooper verfasste mit dem Song ein Manifest für Menschen am Rand der Verzweiflung, einen Track der tiefgründig zum Durchhalten aufruft. Wem würde man es am ehesten abnehmen, als dem Mann der schon mehr als einmal am Abgrund seiner eigenen Existenz stand. Cooper hat alles gesehen, Freunde verloren und Einblicke ins Leben gewonnen, die anderen Menschen, zu Glück, verborgen bleiben.
Der Song sprüht nur so vor Energie und ist von einer großartigen Hookline im Refrain gekrönt. Dass man selbst bei einem so schwerwiegenden Thema mitsingen möchte, beweist mit wie viel Routine hier ans Werk gegangen wurde.

Die Picture-Single ist super gestaltet. Die A-Seite ist in Form einer Weltkugel aus Bildschirmen designt. Hier wird auf die Pandemie und die Notwendigkeit der Videokonferenzen zu jener Zeit angespielt. Die, leere B-Seite zeigt die Lyrics in der Handschrift von Alice Cooper, was die Aussagen noch persönlicher macht. So wird er zum echten Botschafter für eine wichtige Sache: Awareness!

Der Song endet mit einer Unterschrift:
„This is Alice Cooper in Detroit
Let’s keep fighting, don′t give up!“
Das nehme ich dem Meister sofort ab, du gabst und gibst Hoffnung! Amen!
